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Desensibilisierung ist eine gezielte Trainingsmethode zur Gewöhnung, bei der ein Tier schrittweise an einen Reiz gewöhnt wird, um seine emotionale Reaktion darauf zu reduzieren. Dabei wird der Reiz in einer so niedrigen Intensität präsentiert, dass das Tier ihn zwar wahrnimmt, aber noch ruhig bleiben kann. Nach und nach wird die Intensität gesteigert, ohne dass Angst oder Abwehrverhalten ausgelöst wird.

Im Gegensatz zur Habituation, die ein passiver Prozess ist, bei dem ein Tier durch wiederholte Reizwahrnehmung allmählich die Reaktion darauf verliert, ist Desensibilisierung ein aktiver, kontrollierter Prozess. Sie wird vor allem dann eingesetzt, wenn ein Tier bereits negative Emotionen mit einem bestimmten Reiz verknüpft hat oder wenn der Reiz zu intensiv ist, um durch bloße Gewöhnung akzeptiert zu werden.

Ein Beispiel ist ein Hund, der Angst vor lauten Geräuschen hat. Statt ihn direkt lauten Geräuschen auszusetzen, wird der Klang zunächst in sehr niedriger Lautstärke abgespielt und erst nach mehreren Wiederholungen allmählich lauter gemacht. Ein Pferd, das sich vor Plastikplanen fürchtet, wird zunächst aus sicherer Entfernung an die Plane gewöhnt, bevor sie schrittweise näher gebracht wird.

Im Horsemanship wird häufig das Prinzip „Annäherung und Rückzug“ angewendet. Der Reiz wird dem Pferd kurz präsentiert und dann wieder entfernt, bevor Angst oder Abwehrverhalten auftritt. So kann es sich dem Reiz freiwillig nähern, ohne sich bedrängt zu fühlen. Entscheidend ist, dass das Tier dem Reiz nur so weit ausgesetzt wird, dass es ihn noch entspannt verarbeiten kann. Wird das Tier überfordert und zeigt Abwehrreaktionen, die dann unterbunden werden, kann dies statt zur Desensibilisierung zur Erlernten Hilflosigkeit führen, bei der das Tier aufgibt und nicht mehr aktiv auf seine Umwelt reagiert. Dies passiert insbesondere bei Formen des Flooding.

Desensibilisierung wird gezielt eingesetzt, um Angst, Unsicherheit oder Abwehrreaktionen abzubauen. Sie unterscheidet sich von der Gegenkonditionierung, bei der der Reiz nicht nur neutralisiert, sondern zusätzlich mit einer positiven Erfahrung verknüpft wird. Während die Gegenkonditionierung die emotionale Bedeutung eines Reizes verändert, sorgt die Desensibilisierung dafür, dass das Tier den Reiz als irrelevant betrachtet. Erfolgreiche Desensibilisierung erfolgt in kleinen Schritten, um Überforderung zu vermeiden, und hilft dem Tier, sich entspannt an neue Reize oder Situationen anzupassen.