Ein russischer Physiologe, geboren 1849 und verstorben 1936, der als Begründer der klassischen Konditionierung bekannt wurde. Er wuchs in einer streng religiösen Familie in Rjasan auf und begann sein Studium zunächst in der juristischen Fakultät, bevor er sich für die Naturwissenschaften entschied. Inspiriert von Werken russischer und europäischer Wissenschaftler, studierte er an der Universität St. Petersburg und arbeitete später unter renommierten
Physiologen wie Carl Ludwig und Rudolf Heidenhain in Deutschland. Sein wissenschaftlicher Werdegang führte ihn schließlich zur Erforschung der Verdauungsphysiologie und des Nervensystems, was später zur Entdeckung der klassischen Konditionierung führte.
Die Entdeckung der klassischen Konditionierung
Während seiner Arbeiten zur Speichelsekretion bei Hunden stellte Pawlow fest, dass die Tiere bereits zu speicheln begannen, bevor sie tatsächlich Futter erhielten – allein durch den Anblick des Futters oder den Eintritt des Experimentators in den Raum. Durch systematische Experimente zeigte er, dass ein ursprünglich neutraler ReizEin neutraler Reiz (NS) ist ein Reiz, der von sich aus keine spezifische Reaktion auslöst, bevor er mit einem bedeutungsvollen Reiz verknüpft wird. Er hat zunächst keine angeborene Bedeutung für... » Weiterlesen (z. B. ein Glockenton) mit einem unbedingten Reiz (Futter) assoziiert werden kann, sodass der neutrale Reiz allein später dieselbe Reaktion auslöst. Dies nannte er den konditionierten ReflexEin Reflex ist eine unwillkürliche, schnelle und immer gleich ablaufende Reaktion auf einen bestimmten Reiz. Reflexe sind angeboren, treten ohne bewusstes Nachdenken auf und dienen oft dem Schutz oder der... » Weiterlesen.
Pawlows Forschung bewies erstmals wissenschaftlich, dass VerhaltenVerhalten bezeichnet alle äußeren und inneren Aktivitäten eines Lebewesens, die durch Reize aus der Umwelt oder aus dem eigenen Körper ausgelöst werden. Es umfasst sowohl bewusste als auch unbewusste Handlungen... » Weiterlesen durch Lernen und Assoziationen geformt werden kann, ein Prinzip, das die Grundlage für viele psychologische Theorien und Trainingsmethoden bildet. Besonders im Clickertraining wird die klassische Konditionierung genutzt, um den Clicker als konditionierten VerstärkerEin Verstärker ist ein Reiz oder eine Konsequenz, die die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Verhaltens erhöht. In der operanten Konditionierung unterscheidet man zwischen positiven und negativen Verstärkern. Ein positiver Verstärker ist... » Weiterlesen zu etablieren: Der Click wird zunächst mit einer BelohnungEine Belohnung ist eine Konsequenz, die vom Tier als angenehm empfunden wird, aber nicht zwingend dazu führt, dass das vorherige Verhalten häufiger auftritt. Umgangssprachlich wird Belohnung oft mit Verstärker gleichgesetzt-... » Weiterlesen verknüpft, sodass er später allein als SignalEin Signal ist ein Zeichen oder Reiz, der für das Tier eine Bedeutung hat und ein Verhalten auslöst oder einen emotionalen Status hervorruft. Es zeigt dem Tier an, dass es... » Weiterlesen für eine bevorstehende Verstärkung dient.
Einfluss auf andere Wissenschaftler und Verbindung zur operanten Konditionierung
Pawlows Entdeckungen beeinflussten zahlreiche Wissenschaftler, darunter John B. Watson, der die klassische Konditionierung auf den Menschen übertrug und damit den Behaviorismus begründete. Watsons Little-Albert-Experiment demonstrierte, dass emotionale Reaktionen wie AngstAngst ist eine andauernde Reaktion auf eine vermutete oder unklare Gefahr. Im Gegensatz zu Furcht, die durch eine konkrete Bedrohung ausgelöst wird, kann Angst auch ohne direkten Auslöser auftreten. Sie... » Weiterlesen durch Konditionierung erlernt werden können, was wichtige Implikationen für die Psychotherapie hatte.
Auch Edward Thorndike und B.F. Skinner bauten auf Pawlows Erkenntnissen auf. Während Pawlow sich mit Reiz-Reaktions-Verknüpfungen beschäftigte, untersuchte Thorndike mit seiner Puzzle Box, wie Tiere durch Versuch und Irrtum lernen. Seine Erkenntnisse führten später zu Skinners Konzept der operanten Konditionierung, das beschreibt, wie Verhalten nicht nur durch Assoziation, sondern auch durch nachfolgende KonsequenzenEine Konsequenz ist das Ergebnis oder die Folge eines Verhaltens, das sich direkt auf zukünftiges Verhalten auswirken kann. Konsequenzen spielen eine zentrale Rolle in der operanten Konditionierung, da sie darüber... » Weiterlesen geformt wird.
Pawlows Konzept der Reizgeneralisierung – die Fähigkeit eines Tieres, eine erlernte Reaktion auch auf ähnliche ReizeEin Reiz, häufig auch Stimulus genannt, ist eine äußere oder innere Einwirkung, die ein Lebewesen wahrnimmt und die eine Reaktion auslösen kann, aber nicht muss. Reize können aus der Umwelt... » Weiterlesen anzuwenden – ist im Clickertraining besonders relevant. Ein Hund, der gelernt hat, auf ein bestimmtes Signal zu reagieren, kann dieses Verhalten auch in anderen Kontexten zeigen, was für die GeneralisierungGeneralisierung beschreibt den Lernprozess, bei dem ein Tier ein erlerntes Verhalten oder Signal nicht nur in der ursprünglichen Trainingssituation zeigt, sondern es auch auf andere Orte, Bedingungen oder Variationen des... » Weiterlesen von trainierten Fähigkeiten entscheidend ist. Ebenso ist sein Konzept der LöschungLöschung bezeichnet in der Lerntheorie das gezielte Ausbleiben einer bisher verstärkenden Konsequenz, wodurch ein Verhalten allmählich verschwindet. Wenn ein Pferd ein Verhalten zeigt, das zuvor belohnt wurde, aber keine Verstärkung... » Weiterlesen (Extinktion) wichtig: Eine konditionierte Reaktion verschwindet allmählich, wenn der konditionierte Reiz wiederholt ohne Verstärkung präsentiert wird. Dieses Prinzip wird im Clickertraining genutzt, um unerwünschte Verhaltensweisen abzubauen.
Pawlows Einfluss auf die Forschung zu psychischen Störungen
Neben seinen Experimenten zur Konditionierung untersuchte Pawlow auch die Wechselwirkungen zwischen Erregung und HemmungHemmung bedeutet, dass ein Tier ein Verhalten nicht zeigt oder nur zögerlich ausführt, weil etwas es daran hindert. Das kann Angst, Unsicherheit, schlechte Erfahrungen oder ein stärkeres Bedürfnis sein. Ein... » Weiterlesen im Nervensystem. Er konnte zeigen, dass ein gestörtes Gleichgewicht dieser Prozesse zu Verhaltensstörungen führen kann. In seinen späteren Experimenten gelang es ihm sogar, bei Hunden experimentell Neurosen hervorzurufen und wieder zu lindern, was weitreichende Implikationen für das Verständnis psychischer Erkrankungen hatte. Diese Erkenntnisse beeinflussten später die Forschung zu StressStress ist eine körperliche und emotionale Reaktion auf eine Herausforderung, Belastung oder Bedrohung. Er entsteht, wenn ein Lebewesen eine Situation als herausfordernd oder überwältigend wahrnimmt und sich anpassen muss. Stress... » Weiterlesen, Angst und Trauma.
Pawlows wissenschaftliche Anerkennung und spätere Jahre
Pawlow wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt 1904 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Forschung zur Verdauungsphysiologie. Trotz politischer Herausforderungen in der Sowjetunion und persönlicher Kritik am System blieb er wissenschaftlich aktiv und leitete das Institut für Physiologie der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, das bis heute seinen Namen trägt.
Pawlow hatte viele Schüler, darunter Boris Babkin, der seine Biografie schrieb, und Georg Friedrich Nicolai, der seine Erkenntnisse für die Argumentation gegen den Krieg nutzte.
Er verstarb 1936 und hinterließ ein wissenschaftliches Erbe, das bis heute in der Psychologie, Neurowissenschaft und Tierverhaltensforschung von zentraler Bedeutung ist.
Wichtige Bücher von Pawlow
- „Conditioned Reflexes“ (1927) – Eine Sammlung von Vorlesungen, in denen er seine Theorie der klassischen Konditionierung darlegt. Dieses Buch ist bis heute eines der zentralen Werke der Lernpsychologie.
- „Lectures on Conditioned Reflexes“ (1928 & 1941, zwei Bände) – Eine weiterführende Betrachtung der Mechanismen des Nervensystems und ihrer Bedeutung für das Verhalten.
- „Psychopathology and Psychiatry“ (1936) – Eine Anwendung seiner Erkenntnisse auf die Psychiatrie und die Erforschung von Neurosen.
Pawlows Arbeiten waren richtungsweisend für die Psychologie und die Verhaltensforschung. Seine Erkenntnisse zur klassischen Konditionierung sind nicht nur für das Clickertraining, sondern auch für viele andere Lern- und Verhaltenstherapien bis heute von großer Bedeutung.
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